Walther Haage (1899 - 1992)

Walther Haage war anfangs nicht auf die Übernahme der Kakteengärtnerei vorbereitet. Sein älterer Bruder hatte mit seiner Ausbildung begonnen, während Walther sich auf das Studium der Botanik vorbereitete. Der Bruder kommt im Ersten Weltkrieg um. Walther erhält bei Pfitzer (Fellbach bei Stuttgart) seine Gärtnerausbildung, trifft dort Alwin Berger und wird in erste Entscheidungen der väterlichen Gärtnerei eingebunden.  

Er knüpft zahlreiche Kontakte in Deutschland, aber auch nach Belgien, Italien und Schweden. Diese Kontakte halfen ihm, das vom Ersten Weltkrieg geschwächte Unternehmen wieder in Schwung zu bringen. Nach dem Tode seines Vaters übernimmt er im Jahre 1930 die Geschäftsführung und baut den Betrieb zu einem leistungsfähigen Samenzuchtbetrieb aus.

Walther Haage wird rasch zu einem wichtigen Protagonisten der Kakteenwelt. Mit seinem Elan und seinem ungemeinem Fachwissen engagiert er sich  für die Popularisierung der Kakteen. Trotz der Inflation finanziert er aufwendige Sammlungs-Expeditionen nach Amerika. Auf einer dieser Reisen kommt es zur sensationellen Wiederentdeckung des Astrophytum asterias durch A. V. Fric.

Verkauf in alle Welt

So steht der Name Haage bald wieder für ein reichhaltiges Spezialsortiment, das in alle Welt verkauft wird. In dem begehrten bebilderten Katalog werden zum ersten Mal die beiden Kakteennomenklaturen von Prof. Schumann / Alwin Berger und Prof. Britton / Rose gegenübergestellt - ein Vorgang der seinerzeit große Diskussionen auslöst.

Walther Haage machte sich auch als Publizist einen Namen. Schon sein erstes Werk
"Kakteen im Heim" erschien in mehreren Sprachen und zahlreichen Auflagen. Viele weitere Publikationen folgen. Dazu gehört auch das umfassende, auch heute noch gefragte "Kakteen-Lexikon" Kakteen von A bis Z. Dieses Lexikon haben wir im Jahre 2009 aktualisiert und als Reprint neu aufgelegt.

Bücher von Walther Haage

Die IOS (Internationale Organisation für Sukkulentenforschung) ehrt Walther Haage 1990 mit dem "Goldenen Kaktus" für seine Verdienste um die Popularisierung der Kakteen. Die Gattung Haageocereus und Monvillea haageana wird nach ihm benannt.

Das dritte Reich und der 2. Weltkrieg

Während der NS-Zeit hat Kakteen-Haage keinen leichten Stand. Die exotischen Kakteen galten als "un-arisch" und daher pauschal verdächtig. Der Krieg brachte logischerweise die Konzentration auf Lebensmittelproduktion mit sich. Auf dem Gelände von Kakteen-Haage wächst nun hauptsächlich Gemüse.

In aller Stille wird jedoch auch die Kakteensammlung weiter gepflegt. Kakteen finden sich selbst in dieser schweren Zeit in der Samenliste. Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte unseren Betrieb jedoch in eine wirklich existenzbedrohende Krise. Nur einem Zufall und dem Engagement eines russischen Offiziers ist es zu verdanken, dass Kakteen Haage auch die Nachkriegsjahre überstehen konnte.  

Die Stadt Erfurt ist nach dem Krieg vergleichsweise wenig beschädigt. Die Versorgung ist allerdings im Jahre 1945 komplett zusammengebrochen. Es ist nicht im Traum daran zu denken, genug Brennstoffe für die Beheizung der Gewächshäuser zu beschaffen.  

Im Winter 1945/46 droht die gesamte Kakteensammlung zu erfrieren. Ein großer Teil der Obstbäume wurden bereits verheizt, auch ein Holzschuppen war seiner letzten Bestimmung als Heizmaterial zugeführt worden.

In dieser Situation wurde Walther Haage von russischen Soldaten abgeholt. Die Familie ist in Angst und Schrecken. Zu viele Selbständige sind in dieser Zeit abgeholt worden und spurlos verschwunden.

Walther Haage hat allerdings ein positives Erlebnis. Er wird in dieser Nacht zum sowjetischen Stadtkommandanten Oberst Baranov gebracht. Vor seiner Zeit beim Militär war Baranov Direktor des Botanischen Gartens in Leningad.  

Anstelle eines zermürbenden Verhöres vertiefen sich die beiden Männer in ein intensives Fachgespräch über Kakteen. Am nächsten Tag lässt sich Baranov von Walther Haage die Kakteensammlung zeigen. Tief beeindruckt sorgt Oberst Baranov für die Rettung: Wenige Tage nach seinem Besuch treffen mehrere Wagenladungen Kohle für die Beheizung der Gewächshäuser ein.

"Brigade Kakteenzucht"

In den ersten Jahren der DDR wurden sehr viele Unternehmen verstaatlicht. Kakteen Haage ist ein zu spezialisiertes Unternehmen und bleibt in privater Hand.

Doch es gab viele Schikanen in dieser Zeit. Der Zugang zu Arbeits- und Instandhaltungsmaterial und Werkzeugen wurde zusätzlich zum Mangel willkürlich begrenzt. Die Unternehmen wurden gezwungen, den Mitarbeitern geringere Löhne zu zahlen, als in einem staatlichen Betrieb. 1961 muss auch Walther Haage die staatliche Beteiligung akzeptieren. Im Jahr 1972 ist Walther Haage nach Leningrad eingeladen und feiert dort das 150. Jubiläum von Kakteen-Haage. Derweil fällt die Gärtnerei in Erfurt der letzten Enteignungswelle zum Opfer und wird als "Brigade Kakteenzucht" in das "Volkseigene Gut Saatzucht Zierpflanzen" eingegliedert.

Die Enteignung setzt einer Ära ein Ende: Der schon über siebzigjährige Walther Haage zieht sich aus dem Betrieb zurück. Wer aber bringt genügend Kompetenz für die Leitung des Betriebs auf?

Trotz der widrigen politischen Umstände steht mit Hans-Friedrich Haage die nächste Generation bereit, um die Familientradtionen auch in schwierigen Zeiten fortzuführen.

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